Aufbau einer klimafreundlichen Energieversorgung

Die klimafreundliche Wirtschaft wird kommen

UN-Experte: Die klimafreundliche Wirtschaft wird kommen

Seit 2007 ist der Anteil erneuerbarer Energien an der weltweiten Stromversorgung von 3,4 Prozent auf rund 20 Prozent gestiegen. „Ein solch tiefgreifender Wandel in so kurzer Zeit ist historisch einmalig“, sagt Achim Steiner, Direktor des UN-Umweltprogramms (www.wiwo.de/politik/ausland/achim-steiner-die-klimafreundliche-wirtschaft-wird-unweigerlich-kommen/7492286.html). Steiner ist optimistisch, dass die globale Energiewende gelingt: „Die klimafreundliche Wirtschaft wird unweigerlich kommen.“

Denn 70 Prozent der notwendigen Emissionsreduktionen sind mit heutiger Technologie bereits umsetzbar. Wir müssen nur die richtigen Rahmenbedingungen schaffen, so der UN-Experte. Den Rest besorgt die Umwelt. In den nächsten Jahren werden die Auswirkungen des Klimawandels – also die extremen Wetterlagen wie Stürme oder Überschwemmungen – deutlich zunehmen, betont Steiner. Das wird die öffentliche Meinung entsprechend beeinflussen und Regierungen zum Handeln zwingen.

Wer etwas ändern will, muss klein anfangen

Aber brauchen wir dazu nicht erst einmal ein global abgestimmtes Vorgehen? Lieber schnell handeln, statt lange verhandeln, empfiehlt der New Yorker Politologe und Präsident des renommierten Thinktanks Eurasia Group, Ian Bremmer. Er plädiert für eine Politik der kleinen Schritte. Globale Initiativen wie das Kyoto-Protokoll oder der Klimagipfel von Doha werden seiner Meinung nach die Probleme der Welt nicht lösen können. „Wer etwas ändern will, muss klein anfangen“, sagte Bremmer in einem Interview mit der „Wirtschaftswoche“ (www.wiwo.de/politik/ausland/ian-bremmer-koalition-der-willigen-soll-die-welt-retten-seite-all/7952074-all.html).

Die ambitioniertesten Projekte zum Aufbau einer klimafreundlichen Energieversorgung findet man derzeit in den Entwicklungs- und Schwellenländern. Besonders die Region Asien/Pazifik entwickelt großen Ehrgeiz beim Einsatz grüner Technologie. So wollen die Philippinen bis 2030 die Hälfte des Stroms klimaneutral aus regenerativen Energiequellen gewinnen.
Mit einem solchen Konversionsplan würden die Philippinen eine Energiewende par excellence realisieren und manches Industrieland in den Schatten stellen. Aber woher nimmt der Inselstaat das Geld für derartige Investitionen? Die Philippinen schufen, ebenso wie andere Schwellenländer in dieser Region, besonders günstige politische und strukturelle Rahmenbedingungen für private Investoren. Allein der renommierte Cleantech-Projektentwickler und -Investor ThomasLloyd Group realisiert vier Biomasse-Kraftwerke, einen Solarpark und einen Onshore-Windpark auf den Philippinen und unterstützt so gezielt den Wandel der philippinischen Energie-Infrastruktur hin zur Zukunftsfähigkeit.

Saubere Energie – für Entwicklungsländer eine Überlebensfrage

Dass die Entwicklungs- und Schwellenländer beim Thema saubere Energie besonders „auf die Tube drücken“ hat vor allem zwei Gründe: einerseits der große Energiehunger in dieser Region und andererseits die gestiegene Rentabilität von erneuerbaren Energien. Aufgrund des erwarteten starken Wirtschaftswachstums soll der Energieverbrauch in den Entwicklungs- und Schwellenländern bis 2040 um 90 Prozent steigen. Entsprechend dazu werden aber auch zwei Drittel der klimaschädlichen C02-Emissionen in dieser Region entstehen. Beide Schätzungen stammen aus dem „International Energy Outlook 2013“, den eine Abteilung des US-Energieministeriums herausgibt (US Energy Information Administration: „International Energy Outlook 2013“). Die darin enthaltenen Klimaprognosen für diese Regionen sind dramatisch. Die Entwicklungsländer werden unter den Folgen von Umweltverschmutzung und Klimawandel am stärksten zu leiden haben. Die größten Schäden wird das Zusammenspiel von Erderhitzung aufgrund des Treibhauseffektes, Öl- und Wasserknappheit also ausgerechnet in den ärmsten Regionen der Erde anrichten. So droht 29 Entwicklungsländern ein Verlust von mindestens 20 Prozent ihres Ernteertrags, vermutet der amerikanische Ökonom William Cline vom Peterson Institute for International Economics in Washington, D.C. (www.sueddeutsche.de/politik/klimapolitik-der-spd-mehr-umweltpolitik-wagen-1.1722437).

Das starke Interesse der Entwicklungs- und Schwellenländer an erneuerbaren Energien und deren Technologie ist also existenziell. Hinzu kommen ökonomische Überlegungen. Durch technischen Fortschritt und den globalen Wettbewerb ist es bei einzelnen Technologien in den vergangenen zehn Jahren zu einem Preisverfall von 90 bis 95 Prozent gekommen, erläuterte Michael Sieg, Chairman und CEO der ThomasLloyd Group, auf dem Thomas Lloyd Cleantech Congress Europe 2013 (www.cleantech-congress-europe.com). Folge: Durch die geringeren Anschaffungskosten und die deutliche höhere Effizienz ist die Energiegewinnung aus erneuerbaren Energien an günstigen Standorten inzwischen sogar preiswerter als Strom aus herkömmlichen Kraftwerken. Sonnenenergie aus Photovoltaikanlagen halten Experten inzwischen für die mit Abstand preiswerteste Lösung zur Elektrifizierung von Entwicklungsländern (Globale Energiestudie 2012, www.dradio.de/dlf/sendungen/umwelt/1947915/). Wer hätte einen so tiefgreifenden Wandel vor gut fünf Jahren für möglich gehalten?