Die Zukunft der Energiewende

Die Zukunft der Energiewende

2012 war für die erneuerbaren Energien ein Rekordjahr: Noch nie zuvor wurden weltweit so viele neue Anlagen zur Gewinnung von sauberem Strom fertiggestellt. 115 Gigawatt zusätzliche Kapazität entstanden 2012 in diesem Energiesektor – mehr als die Hälfte der weltweit neu installierten Stromproduktionsleistung. Das geht aus dem im Juni 2013 veröffentlichten Bericht „Renewables 2013 Global Status Report“ (1) hervor. Ist das schon ein Beweis für die globale Energiewende? Das wohl noch nicht, aber erneuerbare Energien deckten 2011 immerhin schon rund 19 Prozent des weltweiten Endenergieverbrauchs, so die Studie. Also knapp ein Fünftel der verbrauchten Energie ist bereits grün.

Weltweit geht es in diesem Bereich entschieden voran. Nach dem starken Investitionsjahr 2011 (www.taz.de/!95123/) wurde auch 2012 global kräftig in erneuerbare Energien und deren notwendige Infrastruktur investiert, insgesamt 244 Milliarden US-Dollar (Renewables 2013 Global Status Report). Bemerkenswert: Die Hälfte dieser knappen Viertel-Billion Dollar entfiel auf Investments in Entwicklungs- und Schwellenländern. Aber reichen diese Anstrengungen aus? Ist dieser zügige Ausbau wirksam und verlangsamt den Klimawandel?

Der globale Energiekonsum wird dramatisch ansteigen

Der weltweite Energiekonsum wird deutlich steigen: bis 2040 um 56 Prozent. Das prognostiziert die Energy Information Administration (EIA) des US-Energieministeriums in ihrer neuesten Veröffentlichung „International Energy Outlook 2013“. Der größte Teil dieses Mehrbedarfs wird in den Entwicklungs- und Schwellenländern außerhalb der OECD entstehen. Ihr Verbrauch soll sich um 90 Prozent erhöhen, der der Industriestaaten nur um 17 Prozent. Grund ist laut EIA der wirtschaftliche Aufschwung der Entwicklungs- und Schwellenländer, vor allem in Asien.

Als Folge dieser Entwicklung wird auch eine dramatische Steigerung der CO2-Emissionen prognostiziert: von 36 Milliarden Tonnen CO2 im Jahr 2010 auf 46 Milliarden Tonnen im Jahr 2040. Die Studie benennt auch einen der Hauptverursacher: die Kohlekraftwerke. Bezieht man diese Beobachtung auf die Verbrauchsprognose, folgt daraus, dass eine der Hauptgefahren für unser Klima der zu erwartende Zubau von Kohlekraftwerken in den Entwicklungs- und Schwellenländern ist. Einen wesentlichen Schutzeffekt für unser Klima erreichen wir also, wenn statt dieser CO2-Verursacher Cleantech-Anlagen gebaut werden, die Strom aus erneuerbaren Energien gewinnen.

Offensichtlich bleibt für Klimaschutzmaßnahmen noch weniger Zeit als gedacht. Bislang nahmen Experten an, dass die Folgen des Klimawandels beherrschbar bleiben, wenn die globale Durchschnittstemperatur um nicht mehr als zwei Grad steigt. Wissenschaftler von der Universität Bern in der Schweiz trafen nun nach einem ganzheitlichen Blick auf das Ökosystem eine alarmierende Feststellung: Um das Ziel zu erreichen, muss auch das Absterben von Korallenriffen, der Verlust von Küstengebieten und die Verlangsamung des Pflanzenwuchses verhindert werden. Fazit der Studie: Der globale CO2-Ausstoß muss doppelt so stark reduziert werden, wie bisher angenommen (Quelle: http://www.climate.unibe.ch/~steinach…climate_targets.pdf).
Die einzige Chance, diesen gefährlichen Klimaentwicklungen aktiv zu begegnen, ist der schnelle und konsequente Ausbau von emissionsarmen Energiequellen, also im Bereich der erneuerbaren Energien. Hier sehen auch die Experten der EIA aus den USA eine deutlich positive Perspektive. Und mit einer Rate von 2,8 Prozent pro Jahr gibt es bei den erneuerbaren Energien weltweit die stärksten Zuwächse im Energiesektor.

ThomasLloyd: weltweite Energieversorgung aus erneuerbaren Energien ist möglich

Eine weltweite Energieversorgung zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien wäre machbar, konstatierten Experten auf einem Symposium des Cleantech-Projektentwicklers ThomasLloyd. Der weltweite Strombedarf (aktuell 18.000 Terawattstunden pro Jahr) könnte theoretisch durch eine Solaranlage mit einer Fläche von 300 mal 300 Kilometern gedeckt werden – das entspricht nicht einmal 0,23 Prozent aller Wüsten der Erde, so die Berechnung der Spezialisten für erneuerbar Energien. Und sie haben viel praktische Erfahrung in diesem Bereich. Der Cleantech-Infrastrukturinvestor ThomasLloyd hat bereits zahlreiche Biomasse-Projekte sowie Solar- und Windparks in Asien und in Nordamerika initiiert und finanziert.

Über seinen ThomasLloyd Cleantech Infrastructure Fund bietet das Unternehmen auch Privatanlegern die Chance, ihr Geld für die Klimawende arbeiten zu lassen. Und das kann durchaus lukrativ sein: Bis zu 15 Prozent Rendite pro Jahr prognostiziert der Fonds privaten Anlegern. Der durch solche Investitionen ermöglichte Ausbau erneuerbarer Energien wäre zudem im Hinblick auf die Klimawende sehr effektiv, da große CO2-Emissionen gar nicht erst entstehen würden.

Schwellenländer brauchen eine neue Energie-Infrastruktur

Investitionen in die Infrastruktur zur Nutzung erneuerbarer Energiequellen sind der Schlüssel für die Energiewende in den Entwicklungs- und Schwellenländern. Das ist das Resultat der Ende 2012 vorgestellten „Globalen Energiestudie“, an der 500 Fachleute aus 70 Ländern mitgewirkt haben (www.dradio.de/dlf/sendungen/umwelt/1947915/). Sonnenenergie aus Photovoltaikanlagen ist für die Elektrifizierung von Entwicklungsländern mittlerweile die kostengünstigste Methode, errechneten die Experten. Das liegt vor allem an der inzwischen sehr effizienten Technik und den deutlich gesunkenen Investitionskosten für entsprechende Produktionsanlagen. Sonnenenergie ist inzwischen sogar billiger als Wasserkraft und die in vielen der betreffenden Länder praktizierte Stromerzeugung mittels Dieselgeneratoren.

Ein schnelles und radikales Umdenken bei den Entwicklungshilfe-Investitionen empfiehlt daher die Studie. Für die weltweite Energiewende – den Umbau der globalen Energiesysteme auf saubere Technologien – ist eine Steigerung der jährlichen Investitionen von derzeit 1,3 auf 1,7 Billionen US-Dollar notwendig. Aber auch diese Ausgaben machen sich bezahlt – bereits in zehn bis fünfzehn Jahren (http://www.dradio.de/dlf/sendungen/umwelt/1947915/). Denn erneuerbare Energien sind langfristig die wesentlich kostengünstigere Form der Stromerzeugung, da sie keine Umweltschäden verursachen.

(1) Der Globale Statusbericht zu erneuerbaren Energien wird jährlich vom Politiknetzwerk REN21 (Renewable Energy Policy Network for the 21st Century) veröffentlicht, einem globalen Politiknetzwerk, das 2005 im Anschluss an die Bonner „renewables2004“-Konferenz ins Leben gerufen wurde. Neben Regierungen, Internationalen Organisationen und Nichtregierungsorganisationen sind Vertreter aus Wirtschaft, Finanzsektor sowie aus dem Energie-, Umwelt- und Entwicklungsbereich vertreten. Bundesentwicklungs- und Bundesumweltministerium unterstützen REN21 finanziell. Der Globale Statusbericht ist die maßgebliche Bestandsaufnahme des weltweiten Ausbaus erneuerbarer Energien.