Divestment: Ausstiegsbewegung aus schmutzigen Anlagen

Finanzmarkt

Es tut sich was auf den Finanzmärkten: Nachdem Aktivisten vor allen in Kalifornien Druck auf öffentliche Anleger wie Kommunen, Universitäten oder Stiftungen gemacht haben, ihre Gelder nicht länger im Bereich fossiler Energieträger anzulegen, kommt eine regelrechte Bewegung in Gang. Immer häufiger ziehen sich private wie öffentliche Investoren aus Anlagen zurück, die die fossile Energiewirtschaft stützen und damit dem Klima und der Umwelt schaden.




Hinter der Idee des Divestments – also die anzulegenden Mittel zu solchen Unternehmen zu verlagern, die keine Klimaschäden verursachen – finden sich die unterschiedlichsten Akteure. Neben dem norwegischen Pensionsfonds, der sich aus Ölkonzernen zurückzieht, sind es beispielsweise auch der kanadische Bundesstaat Ontario (ecowatch.com) oder die Niederlande (ecowatch.com), die den Zielen der Divest-Bewegung folgen und mit ihrem Investitionsverhalten Klimapolitik machen. Exemplarisch dafür steht der Rückzug aus der Öl- bzw. Kohlebranche, entweder als Anleger oder als Abnehmer des schmutzigen Stroms. Und sogar in der bundesdeutschen Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) wird diskutiert, ob man noch länger Kreditgarantien für den Bau von zum Beispiel Kohlekraftwerken verantworten will.

Jeder kann zu grünen Anlagen wechseln

Der zugrunde liegende Gedanke ist simpel: Wer Klimaschutz will, kann nicht länger Unternehmen fördern, die mit der Verbrennung fossiler Energieträger ihr Geld verdienen oder klimaschädlich erzeugten Strom beziehen. Was jeder Konsument durch den Wechsel seines Stromanbieters vollziehen kann, macht nun auch bei Verbänden, Stiftungen oder eben Staaten bzw. Finanzinstitutionen Schule.

Um diesen Trend zu verstärken, hat sich jetzt eine neue Gruppe aus 17 großen philanthropischen Stiftungen gebildet, die ihre Mittel aus der fossilen Energiewirtschaft abziehen und in erneuerbaren Energien anlegen wollen (divestinvest.org). Dabei geht es um immerhin zwei Milliarden US-Dollar. Zumeist arbeiten diese Organisationen mehr im Verborgenen und sind daher kaum bekannt, aber nun beziehen etwa die Park Foundation, die Russell Family Foundation, die Educational Foundation of America, der John Merck Fund oder die Ben & Jerry’s Foundation öffentlich Position zugunsten des Klimas und bringen ihre Finanzaktivitäten mit ihrem ethischen Anspruch in Einklang  (ecowatch.com).

Anfang Februar 2014 hatten bereits 22 Städte, zwei Länder, 20 religiöse Organisationen, neun Colleges bzw. Universitäten und sechs weitere Institutionen ihr Divestment öffentlich bekundet (ecowatch.com). Doch es sind – neben ethischen Gründen – auch klare ökonomische Überlegungen, die Anlagen in die fossile Energiewirtschaft zweifelhaft erscheinen lassen. Wenn die Folgen des Klimawandels noch beherrschbar bleiben sollen, müssen die Treibhausgas-Emissionen so schnell und so weitreichend wie nur möglich reduziert werden – und dazu muss ein großer Teil der fossilen Energieträger ungenutzt bleiben.

Das Geschäft mit Öl oder Kohle wird also drastisch einbrechen – und ehe Anleger hier große Summen verlieren, werden sie sie lieber für Zukunftstechnologien einsetzen, nämlich die regenerative Energiegewinnung. Nicht ohne Grund stoppen auch erste Banken ihr Engagement in der fossilen Energiewirtschaft oder entdecken – wie aktuell Goldman Sachs – den Erneuerbare-Energien-Sektor als lukrativen Anlagebereich (cleantechnica.com).

Große Umschichtung von Mitteln Richtung Öko- und Cleantech-Fonds

Und genau aufgrund dieser Entwicklungen könnte das Klima profitieren: Da das zu verlagernde Geld ja einen neuen Einsatzzweck braucht, dürfte es künftig etwas einfacher werden, entsprechende Öko- oder Cleantech-Fonds zu füllen. Das könnte die Arbeit von Investmentmanagement-Gruppen wie etwa der ThomasLloyd Group vereinfachen, die sich schon lange als Brückenbauer zwischen Finanzwirtschaft und Klimaschutz betätigen und die akquirierten Mittel ausschließlich im Cleantech-Bereich anlegen (www.thomas-lloyd.de).

Die Divest-Bewegung erstarkt gerade zum richtigen Zeitpunkt: Nahezu 100 Länder bzw. Bundesstaaten fördern erneuerbare Energien oder räumen ihnen eine Vorrangstellung ein (www.klimaretter.info), und die Technologien als solche sind so ausgereift und effektiv, dass sie gerade die Schwelle zur Gewinnzone überschreiten. Mit einer Stärkung in Höhe vieler Milliarden US-Dollar könnte der Ausbau dieser Zukunftstechnologien beträchtlich vorangebracht werden.

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