Divestment: Wie Portfolios nach ökologischen Kriterien optimiert werden

Sonnenkollektoren

Es ist nur eine Frage der Zeit: Das Fossile-Energien- oder Kohlenstoff-Zeitalter geht seinem Ende entgegen. Ungeachtet neu erschlossener Lagerstätten ist das eher kurz- als mittelfristige Ende der Ölvorräte absehbar. Selbst wenn die weltweiten Kohlevorräte noch bis zu 300 Jahre lang den derzeitigen Verbrauch decken könnten: Allein aus umwelt- und wirtschaftspolitischen Gründen wird es schon deutlich früher zu einer Abkehr von diesem umweltschädlichsten aller fossilen Energieträger kommen. Da immer mehr Länder ihre Energieproduktion auf regenerative Quellen ausrichten, wird die kohlebasierte Ökonomie immer weiter schwinden.

Trotz des nicht exakt bestimmbaren Endes des Kohlenstoffzeitalters dauert es einigen Klimaaktivisten noch immer zu lange, bis Strom emissionsfrei erzeugt und die überreichen natürlichen Energievorkommen dieses Planeten umfassend genutzt werden. Daher haben sie sich das Divestment zum Ziel gesetzt. Organisationen wie 350.org üben im Rahmen von Kampagnen öffentlich Druck unter anderem auf Städte oder Universitäten aus, ihre Gelder aus ökologisch problematischen Unternehmen abzuziehen.

Schmutzige Papiere raus aus den Portfolios

Divestment – also das Gegenteil von Investment – wurde zum öffentlich wahrgenommenen Thema, als im Herbst 2013 aufgedeckt wurde, dass mehrere US-amerikanische Umweltorganisationen und -stiftungen Teile ihrer Vermögen in Unternehmen angelegt haben, die zur Kohle- und Ölindustrie gehören. Der etwas hilflose Hinweis, man habe ja in Portfolios investiert, deren Zusammensetzung man nicht beeinflussen könne, war wenig glaubhaft: Jedes seriöse Portfolio besitzt die nötige Transparenz, aus welchen Papieren es zusammengestellt ist.

Organisationen wie 350.org oder Go Fossil Free (www.gofossilfree.org) bringen die Situation auf einen einfachen Nenner: „It’s wrong to profit from wrecking the Climate“, lautet einer ihrer Slogans („Es ist falsch, vom Ruinieren des Klimas zu profitieren“), und sie propagieren: „It’s time to divest from fossil fuels“ – höchste Zeit, sich von fossilen Brennstoffen zu trennen. Während die einen mit öffentlichen Aufrufen arbeiten, nutzen die anderen die Stärke des Internets und stellen Hinweise zusammen, in welcher Region sich Petitionen an Einrichtungen der öffentlichen Hand – Stadtverwaltungen, Colleges, Universitäten – wenden und die Trennung von Anlagen in schmutziger Energie fordern. Und tatsächlich diskutieren die zuständigen Ausschüsse und Komitees immer häufiger den Sachverhalt – mit Erfolg: Mehrere kalifornische Städte und staatliche Einrichtungen haben inzwischen ihr Investitionsverhalten korrigiert.

Ökologisches Engagement als Einflussfaktor

Was in den USA und bald auch anderen Nationen wie politischer Aktivismus erscheinen mag, ist in Europa handfeste Wirtschaftspolitik. So hat der norwegische Staatsfonds – der über 580 Milliarden Euro aus dem norwegischen Erdölgeschäft für künftige Generationen sicher anlegt – erst im Herbst 2013 seine Gelder aus fünf Unternehmen abgezogen, deren Tätigkeit ökologisch bedenklich ist oder die Kinderarbeit tolerieren. Die Ölkonzerne Shell und Eni kamen auf eine Beobachtungsliste, da ihre Umweltschutzmaßnahmen zweifelhaft sind, so das norwegische Finanzministerium (www.abendblatt.de).

Sowohl die Kampagnen-Argumente von Go Fossil Free als auch die Motivation des norwegischen Staatsfonds sind klar ethisch begründet. Wobei die Norweger einen breiten Katalog an Ausschluss-Kriterien formuliert haben. Sie investieren in kein Unternehmen, das unter anderem

  • Menschenrechtsverletzungen begeht,
  • schwere Waffen oder Tabakerzeugnisse produziert,
  • die Umwelt schädigt,
  • Kinderarbeit in Anspruch nimmt oder toleriert.

Vermutlich wird keines der kritisierten Unternehmen nun sein Geschäftsmodell grundlegend ändern, nur um die norwegischen Gelder weiterhin nutzen zu können. Aber sie müssen immerhin insgesamt auf erhebliche Investments verzichten. Zudem macht das Verhalten der Norweger deutlich, dass es nicht nur um Profite und Renditen geht, sondern dass unternehmerisches Handeln immer auch mit sozialen und ökologischen Aspekten untrennbar verbunden ist.

Klimafreundliche Alternativen

In erster Linie bedeutet Divestment ein ethisch oder im engeren Sinn ökologisch bedingtes Korrigieren bereits getätigter Investitionen. Die Alternative dazu ist jedoch weit einfacher: Investitionen in Unternehmen, Portfolios oder Fonds, die von vornherein eindeutig erkennbar nachhaltig beziehungsweise ökologisch ausgerichtet sind und die zur Verfügung gestellten Mittel für entsprechende Projekte oder Produktionen nutzen.

Dabei muss man nicht an komplexe Portfolios denken, deren Zusammensetzung erst einmal ergründet werden sollte. Inzwischen sind genügend Optionen vorhanden, ethisches Engagement und Renditeinteressen auf einfache, transparente Weise miteinander zu verbinden. Ein Beispiel ist der ThomasLloyd Cleantech Infrastructure Fund, der die eingeworbenen Mittel in Anlagen zur Erzeugung sauberer Energie in Ländern Asiens, wie Kambodscha und den Philippinen, investiert. Dabei sind nicht nur der energetische Nutzen und seine klimaschützende Wirkung klar erkennbar: Die neu geschaffenen Solar-, Windenergie- und Biomasse-Kraftwerke fördern auch die Entwicklung in der jeweiligen Region durch Schaffung Hunderter Dauerarbeitsplätze im Primär- und die Stimulierung weiterer Jobs im Sekundärbereich und haben dadurch auch eine positive gesellschaftliche und allgemein wirtschaftliche Wirkung (www.thomas-lloyd.de).

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