Frühes Handeln pro Klimaschutz spart Klimakosten

Klimaschutz

Das globale Klima ändert sich, die Durchschnittstemperaturen steigen – ein vom Menschen verursachter Wandel, der nicht mehr aufzuhalten ist. Alles, was getan werden kann und dringend getan werden muss, ist das Abmildern der Auswirkungen. Darüber sind sich die Wissenschaftler einig, und das ist auch den meisten Politikern bewusst. Doch viele Maßnahmen, den Ausstoß von klimaschädlichen Gasen zu reduzieren, bleiben halbherzig und zeigen folglich kaum Wirkung.

Dabei ist deutlich absehbar, dass die Schäden umso größer werden (und die Beseitigung entsprechend teurer), je später die notwendigen Vorbeugemaßnahmen ergriffen werden und die weltweite Transformation der Wirtschaft auf kohlenstoffärmere Techniken und Produktionsweisen vollzogen wird. Experten des Potsdamer Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) haben daher in einer aktuellen Studie berechnet, wie stark verspätetes Handeln die Kosten beeinflussen würde.

Extrem teures Zögern

Die Klimaexperten haben für ihre Untersuchung 285 verschiedene Szenarien in Computersimulationen durchgespielt, in denen Faktoren wie internationale Abkommen, Verfügbarkeit und Einsatz sauberer Energieerzeugungstechnologien, verbesserte Energieeffizienz sowie Effekte langfristiger Klimaschutzmaßnahmen variiert wurden. Zu den Basisannahmen zählte ferner ein nicht mehr vermeidbarer Temperaturanstieg um 1,7 Grad bis 2050.

Das Ergebnis der Berechnungen ist deutlich: Je später Klimaschutz- und Emissionsreduktions-Maßnahmen ergriffen werden, desto teurer wird es. Würden bereits 2015 effektive Schritte beschlossen und umgesetzt, um die globale Erwärmung auf zwei Grad zu begrenzen, verringerte sich das globale Wirtschaftswachstum im ersten Jahrzehnt um zwei Prozent. Treten die umfassenden Maßnahmen erst nach 2030 in Kraft, wären es bereits sieben Prozent – eine sehr hohe Belastung, die einen solchen späten Klimaschutzbeschluss zusätzlich deutlich erschweren würde (www.pik-potsdam.de/aktuelles/pressemitteilungen/delaying-climate-policy-would-triple-short-term-mitigation-costs).

Als sehr relevant stuften die Autoren der Studie auch den Anstieg der Energiekosten ein: Bei schnellem Handeln wäre um 25 Prozent verteuerte Energie zu erwarten, bei Maßnahmen nach 2030 würden die Preise jedoch um drastische 80 Prozent steigen.

Vorhandene Spielräume schwinden

Und so bleibt eigentlich nur ein Fazit aus den Potsdamer Berechnungen: Es muss frühestmöglich gehandelt werden – je später wirksame globale Klimaschutzmaßnahmen umgesetzt werden, desto geringer sind die Spielräume und desto höher sind die zu erwartenden politischen und wirtschaftlichen Widerstände. Gerade in Ländern, die in naher Zukunft einen Wirtschaftsaufschwung erleben, wäre der nötige Aufbau eines emissionsarmen Energiesystems machbar und deutlich günstiger, als wenn zuerst herkömmliche, kohle- und ölbasierte Anlagen entstünden, die man schon in absehbarer Zeit ersetzen müsste.

Die PIK-Studie stellt daher klar: Werden internationale Klimaschutzverhandlungen weiterhin zu langsam und ineffektiv geführt, entstehen nicht nur immense Kosten, sondern es droht, dass die dringend nötigen Reduktionsziele überhaupt nicht mehr zu erreichen sind und die Folgen des Klimawandels unbeherrschbar werden könnten.

Link zur Studie: http://iopscience.iop.org/1748-9326/8/3/034033/article

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