Klimawandel: die Finanzwelt wacht auf

Ausgetrocknete Erde

Das Problem ist relativ neu – aber es wird virulent: Wenn die gerade noch akzeptable Obergrenze des klimabedingten Anstiegs der globalen Durchschnittstemperatur bei zwei Grad über dem vorindustriellen Niveau eingehalten werden soll, darf bis 2050 nur noch eine begrenzte Menge an Kohlenstoffdioxid emittiert werden. Experten berechnen dieses Volumen auf 565 Gigatonnen. Dann ist das mögliche Emissionsvolumen komplett ausgeschöpft.

Soweit die eine Seite des Problems. Doch fatal wird die Situation eigentlich erst beim Betrachten dieser Perspektive: Weltweit wurden Billionen US-Dollar in die Kohle- und Ölindustrie investiert, und dieses Geld bringt erst seinen vollen Ertrag, wenn die entsprechenden fossilen Energieträger auch genutzt werden. Und das heißt: verbrannt – was eine Emission von 2.870 Gigatonnen erzeugen würde. Aus Sicht der Klimaaktivisten sind also etwa 80 Prozent der Kohle- und Öl-Vorräte „unburnable carbon“, weil sie im Boden bleiben müssen, um den Klimakollaps zu vermeiden. „Unburnable carbon“ wird so zu einem potenziellen Wirtschaftsproblem, weil bei Einhaltung der Emissionsobergrenze gigantische Verluste drohen.

Mahnende Stimmen

Inzwischen sind es nicht nur Klimaaktivisten, die diese fatale Logik thematisieren – das Problem der investierten Mittel mit schwindenden Zukunfts- und damit Renditeperspektiven bewegt nun auch die Finanzwelt. Unter Federführung von Ceres – eines engagierten Zusammenschlusses von Investoren und Unternehmen, die sich unter anderem gegen den Klimawandel einsetzen (www.ceres.org) – erhielten 45 Unternehmen aus der Kohle- und Ölbranche ein Schreiben, in dem eine Gruppe von 70 einflussreichen Investoren sie auffordert, das Risiko finanzieller Verluste beim erwarteten starken Rückgang der Geschäfte zu erkennen, zu kalkulieren und angemessen in der Unternehmenspolitik zu berücksichtigen (www.documentcloud.org).

Andrew Logan, Direktor des Öl-Programms von Ceres, formuliert das klare Ziel, das Investitionsverhalten der Konzerne mittel- bis langfristig zu verändern. Dazu bilde die Briefaktion einen ersten Schritt. Und er hält den Zeitpunkt für wesentlich besser geeignet als vor vier oder fünf Jahren, weil es inzwischen große Unzufriedenheit mit der Art und Weise gebe, wie die Kohle- und Ölkonzerne geführt würden (insideclimatenews.org).

Speerspitze einer Bewegung

Doch bilden die 70 aktiven Investoren erst die Speerspitze der großen Finanzwelt. Es liegt noch viel Arbeit vor ihnen, wie der Global Climate Index der Organisation Asset Owners Disclosure Project (www.aodproject.org) aus Australien dokumentiert. Für diesen Bericht werden die 1.000 wichtigsten Staatsfonds, Versicherungen und Pensionsfonds nach unterschiedlichen Kriterien befragt, zu denen auch das Investitionsverhalten hinsichtlich des Klimaschutzes und umweltschonender Technologien gehört. Das Ergebnis ist alarmierend: Nur fünf der 485 beteiligten Institutionen bekamen die Bestnote – doch 80 Prozent rutschten in die Kategorie D – miserabel – oder sogar X, die für „keine Reaktion auf Klimarisiken erkennbar“ steht. Fast noch gravierender: Viele der Unternehmen konnten den Anteil ihrer Mittel gar nicht benennen, die in Bereichen mit starken Auswirkungen auf das Klima investiert sind (green.wiwo.de).

Der Global Climate Index macht also deutlich, dass viele Investments in Öl- oder Kohleunternehmen im Prinzip viel zu hoch bewertet sind, da der reale Gegenwert vor dem Hintergrund der Klimaentwicklung wesentlich geringer ist.

Doppelte Konsequenz

Die Erkenntnis, dass sich eine gigantische „Carbon Bubble“ bildet, setzt sich inzwischen weiter durch – und dass dringend gegengesteuert werden muss, um die Verluste zu vermeiden. Bloomberg New Energy Finance stellt ein entsprechendes Tool bereit, mit dem der durch die Klimapolitik bedingte Einfluss auf emissionsintensive Wirtschaftszweige durch neue Technologien aufgezeigt werden kann (www.businessgreen.com). Auch andere Player der Finanzwelt wie etwa die Großbank HSBC oder die Citigroup widmen sich dem Thema „unburnable carbon“ inzwischen intensiver.

Die zweite Konsequenz ist viel einfacher: Man kann verfügbare Mittel schließlich gleich einem Investitionsmanagement anvertrauen, dass auf den zukunftsfähigen Bereich Cleantech setzt und alle Aspekte der Geldanlagen transparent macht. So engagiert sich die ThomasLloyd Group im Wachstumsbereich sauberer Energie-Technologien in Asien und zeigt beispielhaft, wie passgenau und renditesicher hier im Kraftfeld von Wirtschaftswachstum, vorausschauender Politik und starkem Rückhalt in den Zielregionen Philippinen und Kambodscha Anlagen zur Nutzung regenerativer Energiequellen realisiert werden können (www.thomas-lloyd.de).

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