Malaysia: neue Finanzierung für private Nutzung erneuerbarer Energien

Tropischer Regenwald

Wie seine Nachbarstaaten in Süd- und Südostasien hat Malaysia hervorragende Potenziale zur Nutzung regenerativer Energiequellen: Die äquatoriale Lage prädestiniert das Land für Solarenergie, die umfangreichen fruchtbaren Wälder sowie die Landwirtschaft sorgen für Biomasse. Trotzdem spielen erneuerbare Energien noch keine tragende Rolle, obwohl auf Borneo und auch in abgelegenen Regionen anderer Inseln bereits viel Wasserkraft genutzt wird.



Angesichts der erwarteten wirtschaftlichen Aufschwungs muss sich jedoch im Energiesektor bald einiges tun: 2035 wird sich der Energiebedarf gegenüber 2009 mehr als verdoppelt haben (www.energycommunity.org). Darum sollen erneuerbare Energien künftig eine wichtigere Rolle spielen. Zusammen mit dem Energie- und Umweltministerium (Kementerian Tenaga Teknologi Hijau Dan Air, KeTTHA) arbeitet die 2011 eigens eingerichtete „Sustainable Energy Development Authority Malaysia” (SEDA Malaysia) an der Konkretisierung der regierungsseitig schon seit Langem beschlossenen Pläne; die Erneuerbaren sollen 2015 mindestens 5,5 Prozent des Energieverbrauchs decken. Bereit seit 2001 gibt es das „renewal energy power purchase agreement“ (REPPA), das nach Art einer Einspeisevergütung Investitionen in regenerative Energieerzeugung auch kurzfristig wirtschaftlich machen soll.

Duale Nutzung natürlicher Ressourcen

Noch allerdings sind die Fortschritte im Aufbau der Cleantech-Infrastruktur bescheiden: Ende 2009 hatten die Erneuerbare-Energien-Anlagen – ohne den Bereich Wasserkraft – erst 53 Megawatt Produktionskapazität. Daher soll der im selben Jahr verabschiedete „National Renewable Energy Policy and Action Plan“ für mehr Initiativen sorgen. Aktuell stehen jetzt zwei Bereiche im Fokus der Maßnahmen: Bei der intensiv betriebenen Palmölproduktion fallen unterschiedlichste für die Biogaserzeugung nutzbare Stoffe an. Bis 2020 könnten daraus 20 Prozent der nationalen Stromproduktion realisiert werden.

Der zweite Ausbaupfad betrifft die Solarenergie. Um hier private Investitionen anzuregen, wurde kürzlich ein besonderes Finanzierungsprogramm der Alliance-Bank in Kooperation mit der SEDA Malaysia entwickelt, das es erstmals auch Privatpersonen ermöglicht, in Photovoltaik-Anlagen zu investieren (www.exportinitiative.de). In der Bevölkerung zeigte sich sofort eine große Bereitschaft, sich hier zu engagieren, auch wenn Investitionen in erneuerbare Energien in verkürzter Sicht als Maßnahmen zur Bekämpfung der in Malaysia drastischen Luftverschmutzung verstanden werden – dem Klimaschutz nützen sie natürlich trotzdem (www.renewableenergyworld.com).

Aufschwung der Erneuerbaren steht bevor

Die staatlicherseits getroffenen Maßnahmen – allen voran sehr differenziert auf Anlagengröße und jeweilige Technologie angepasste Einspeisungsvergütungstarife – zeigen bereits jetzt ihre Wirkung: Seit 2011 wurde der Bau von regenerativen Erzeugungskapazitäten von 43,9 Megawatt genehmigt, für 2014 werden weitere 348 Megawatt Zubaugröße erwartet. Bis 2020 sollen es zwei Gigawatt sein und 2030 vier Gigawatt. Bis 2020 dürfte der größte Teil aus Biomasse-basierten Technologien stammen, danach wird Solarenergie an die Spitze rücken und schätzungsweise 30 Prozent der Erneuerbare-Energien-Kapazität ausmachen (www.greenprospectsasia.com).

Starker Regierungsrückhalt

Mit seinem attraktiven Einspeisevergütungssystem und üppigen natürlichen Ressourcen ist Malaysia reif für ausländische Investments in Erneuerbare-Energien-Projekte, findet auch Tildy Bayar, Redakteurin des Magazin „Renewable Energy World“ und eine der besten Kennerinnen der regionalen Entwicklung. „Erneuerbare-Energie-Lösungen könnten dem Land dabei helfen, sich vom starken Import fossiler Energieträger zu lösen, seine Kohlenstoff-Emissionen zu senken und die Lebensqualität in abgelegenen Regionen zu verbessern.“ (www.renewableenergyworld.com).

Diese Perspektive teilen auch Umweltministerium und SEDA Malaysia. Beide Institutionen drängen die Öffentlichkeit dazu, sich am „Solar Home Rooftop Programme“ zu beteiligen und damit Teil der grünen Revolution im Land zu werden – im Bestreben, eine ökologisch nachhaltige Zukunft zu schaffen

(www.kettha.gov.my). Die Regierung Malaysias appelliert daher auch an andere Banken, dem Beispiel der Alliance-Bank zu folgen und spezielle Produkte aufzulegen, mit denen sich Privatpersonen am Ausbau der Photovoltaik beteiligen können. An Bereitschaft dazu dürfte es nicht mangeln.

Artikelfoto: WONG SZE FEI – Fotolia