San Carlos Ecozone – Start der grünen Revolution auf den Philippinen

Jeepney auf den Philippinen

San Carlos City – ein Name, der bislang wohl nur wenigen etwas sagt. Doch das dürfte sich bald ändern, denn im Gewerbegebiet von San Carlos City auf der philippinischen Insel Negros wächst gleichsam aus dem Boden, was die regionalen Medien schon jetzt als „Grüne Revolution“ rühmen: das erste integrierte Zentrum für erneuerbare Energien auf den Philippinen und vermutlich in ganz Südostasien.

Wo noch im letzten Herbst die Stoppeln der abgeernteten Zuckerrohrfelder das Bild bestimmten, haben seither Planierraupen und Baumaschinen die Welt verändert: Rund um die Uhr arbeiten Ingenieure und Monteure am Aufbau von SaCaSol I, dem ersten Bauabschnitt der größten Solarfarm des Landes. Schon in wenigen Wochen werden hier auf 200.000 Quadratmeter Fläche Hunderte Solarkollektoren bis zu 13 Megawatt Strom produzieren (www.rappler.com).

Mehrstufige Entwicklung

Der Standort für „San Carlos City Solar I“ ist gut gewählt: Mit 1.789 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr garantiert die Intensität der Sonneneinstrahlung den effektiven Betrieb des Solarkraftwerks. In unmittelbarer Nähe ermöglicht ein Umspannwerk die Einspeisung der Elektrizität ins regionale Netz. Der Strom kann gut 30.000 Menschen versorgen und wird die Ansiedlung von Gewerbe und Industrie begünstigen.

Doch der erste Bauabschnitt ist nur ein – wenngleich zentraler – Schritt auf dem revolutionären Weg. Schon im Sommer wird auch SaCaSol II mit einer Leistungskapazität von neun Megawatt ans Netz gehen. Beide Projekte werden von der ThomasLloyd Group realisiert und sind das sichtbare Resultat langjähriger Vorarbeiten. Neben der zentralen Aufgabe – dem Zusammenbringen des benötigten Kapitals durch den ThomasLloyd Cleantech Infrastructure Fund – gehörte dazu auch die technische Planung und die enge Kooperation mit der philippinischen Regierung und den zuständigen Behörden.

Die auf Cleantech-Projekte in Asien spezialisierte Investmentbanking- und Investmentmanaging-Gruppe konnte für die Vorhaben im Raum San Carlos sowohl auf über 30-jährige Erfahrung mit vergleichbaren Projekten als auch auf eine bestehende, mehrjährige Partnerschaft mit der Region aufbauen: 2005 war die ThomasLloyd Group hier bereits bei der Erichtung der ersten Bioethanol-Fabrik Asiens maßgeblich beteiligt, die aus agrarischen Reststoffen Kraftstoffzusätze produziert.

Kooperative Partnerschaften

Für Erneuerbare-Energien-Projekte stand in San Carlos City also die Tür bereits offen. Der Name des Ansiedlungsgebietes – „San Carlos Ecozone“ – unterstreicht das noch einmal explizit: Hier wird der Weg in die energetisch saubere Zukunft der Philippinen konkret vorbereitet. Der nächste Schritt ist ebenfalls schon getan: Die ThomasLloyd Group baut hier mit „San Carlos BioPower“ ein Biomasse-Kraftwerk, das sich einen zweiten Vorzug des Standortes zunutze macht: Negros ist das Zentrum des philippinischen Zuckerrohranbaus, und allein im 40-Kilometer-Umkreis fallen jährlich 1,1 Millionen Tonnen verwertbarer Biomasse an. Davon wird die Anlage – von der aktuell schon die Rohbauten der Hallen stehen – ab Anfang 2015 170.000 Tonnen für die Verstromung nutzen. Mit einer Leistungskapazität von 20 Megawatt kann San Carlos BioPower dann über 210.000 Menschen mit emissionsfrei erzeugtem Strom versorgen.

Die ThomasLloyd Group ist aber nicht nur ein willkommener Partner, weil sie die Philippinen auf dem Weg zur intensiveren Nutzung erneuerbarer Energiequellen unterstützt – die Projekte sind auch wirtschaftlich bedeutend, denn SaCaSol I und II, San Carlos BioPower und der in einer weit vorangeschrittenen Planungsphase befindliche Onshore-Windpark „San Carlos North East Wind“ werden insgesamt über 2.600 feste Arbeitsplätze bieten (Stand Februar 2014, www.thomas-lloyd.de).

Multi-energetischer Standort

Negros ist als überwiegend flache, sonnenreiche Insel perfekt für Zuckerrohranbau geeignet. 35 Hektar Fläche wurden nun für den Bau der Photovoltaik-Anlagen von den Landwirten gepachtet. Andere kommen durch die Zulieferung von agrarischen Reststoffen – die bislang ungenutzt blieben – mit dem Biomasse-Kraftwerk ins Geschäft. Neben der Erzeugung sauberen Stroms finden also noch mehrere Wertschöpfungsstufen statt, die außer den direkt entstehenden Arbeitsplätzen noch viele weitere Jobs in den sich ansiedelnden Gewerben umfassen werden.

Sonne, Biomasse, Wind – nur selten werden in einer Region diese drei Formen regenerativer Energien zugleich und so effektiv genutzt wie hier. Da ein Biomasse-Kraftwerk auch wetterunabhängig Strom produzieren kann, ist die Grundlastabdeckung auch bei Flaute und nachts gesichert, wenn weder Windräder noch Solarkollektoren Energie produzieren können. Daher wird der Name San Carlos City in nicht allzu ferner Zukunft auf den Philippinen und in Südostasien für ein Modellprojekt stehen, das exemplarisch zeigt, wie eine auf Nachhaltigkeit ausgerichtete Energie- und Wirtschaftspolitik zu einer ökologisch-ökonomischen Win-win-Situation führt.

Bild: Thinkstockphotos, iStock Editorial, joyt