Studie: CO2-Bepreisung als wirksames Instrument der Energiewende

Abgase

Weltweit bemühen sich Staaten und unabhängige Organisationen um Maßnahmen, den Klimawandel zu verlangsamen und so seine Folgen abzumildern. Doch trotz zahlreicher politischer Aktivitäten und Programme, trotz Bevorzugung erneuerbarer Energien in den Gesamtenergie-Szenarien und ungeachtet internationaler Konferenzen: Der Treibhausgasausstoß steigt noch immer, und wenn es keine wirkungsvolleren und umfassenderen Maßnahmen gibt, ist das Zwei-Grad-Ziel nicht zu erreichen. Nur um zwei Grad dürfen sich die globalen Durchschnittstemperaturen nach Expertenmeinung gegenüber der vorindustriellen Zeit erhöhen, damit die Auswirkungen noch gehandhabt werden können.

In einer Studie hat das renommierte Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung nun einen wichtigen Aspekt der makroökonomischen Auswirkungen von Maßnahmen gegen den Klimawandel untersucht („Global fossil energy markets and climate change mitigation – an analysis with REMIND“). Es geht davon aus, dass die Nutzung fossiler Energieträger so weitgehend wie möglich unterbliebe und die benötigte Energie stattdessen aus erneuerbaren Quellen bezogen werde.

Lenkungswirkung von Bepreisung oder Besteuerung

Da fossile Energieträger einen erheblichen Anteil an der globalen Wertschöpfung haben und damit viel Geld umgesetzt wird, entstünden massive Verluste, wenn man weitgehend auf deren Nutzung verzichten würde. Eine freiwillige Reduktion des Einsatzes ist daher nicht zu erwarten, weil sie rein wirtschaftlich gesehen unlogisch wäre. Hier sieht das Potsdam-Institut zwei Möglichkeiten der Lenkung: Entweder der Auktionspreis für CO2-Emissionsrechte müsste massiv steigen, oder es müssten Steuern auf den CO2-Ausstoß erhoben werden.

Spannend ist die erstmals vorgenommene Berechnung der Auswirkungen effektiver Klimapolitik auf die fossilen Energiemärkte: Würde man diese Steuerungsmechanismen so stark anwenden, dass das Zwei-Grad-Ziel noch erreicht wird, würden den Besitzern umweltbelastender Energieträger bis zum Ende des Jahrhunderts Umsatzeinbußen von 12 Billionen US-Dollar entstehen. Dem stünden allerdings Einnahmen von 32 Billionen Dollar aus CO2-Abgaben gegenüber. Makroökonomisch wäre die massive Bepreisung von Kohlendioxid also von Vorteil, Und zugleich würde ein hoher Preis auf CO2 zu einer deutlichen Emissionsreduzierung führen, weil sich Investitionen in Cleantech schneller bezahlt machen würden.

Globale und nationale Ebene

Überträgt man die Idee der hohen CO2-Bepreisung und des daraus resultierenden Rückzugs fossiler Energieträger aus den Märkten von der globalen auf die jeweilige nationale Ebene, zeigt sich ein weit komplizierteres Bild, da Gas, Kohle und Öl sehr ungleich verteilt sind und unterschiedlich teuer gehandelt werden. Zudem sind die finanziellen Begleitumstände – Subventionen, Steuern, Lenkung der Umstellung auf sauberen Strom durch Preisgarantien etc. – ebenfalls sehr unterschiedlich. Fossile Energieträger spielen in mehreren Volkswirtschaften eine bedeutende Rolle, sodass Reduktionen ihres Einsatzes hier mit Widerständen und großen steuerlichen Einbußen verbunden wären.

Kohlenstoffbepreisung könne man „nicht einfach als einen Ausgleich für die Verluste aus den Einnahmen bei fossilen Brennstoffen sehen“, betont Nico Bauer, Hauptautor der Studie. „Klimapolitik führt zu höheren Energiepreisen für Haushalte und Unternehmen, was eine – wenn auch kleine – Verringerung der Wirtschaftsleistung zur Folge hat. So dürfte es von vielen Seiten begehrliche Blicke auf die Einnahmen aus einer CO2-Bepreisung geben.“ (Pressemitteilung des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung vom 5.11.2013).

Hinsichtlich der Effekte auf die Vermarktung fossiler Energieträger im Falle einer hohen CO2-Bepreisung sieht das Potsdam-Institut Auswirkungen vor allem auf den Kohlemarkt. Kohle – deren Verbrennung das Klima am stärksten belastet – ist unter den fossilen Energieträgern am billigsten, wäre aber auch am einfachsten durch anderen Brennstoffe zu ersetzen. Da Öl und Gas teurer sind, wäre auch ein Aufschlag für die CO2-Abgabe verkraftbar und im Preis unterzubringen – die Lenkungswirkung wäre hier geringer.

Investitionen in regenerative Energien?

„Wir wissen, dass die Besitzer von Kohle, Öl und Gas weniger Gewinn machen werden“, erläutert Elmar Kriegler, „aber die große Frage ist, wer von den neuen Einnahmen aus der CO2-Bepreisung profitieren wird.“ Der Projektleiter und Co-Autor der Studie weiter: „Diese Frage wird von Politik und Gesellschaft bei der Umsetzung von Klimapolitik zu entscheiden sein. Interessant wäre es allerdings herauszufinden, welchen Effekt eine Verwendung der Einnahmen aus der Kohlenstoffbepreisung bei der Finanzierung von Investitionen für eine bessere Infrastruktur in Entwicklungsländern hätte.“

Niemand im Potsdam-Institut dürfte ernsthaft davon ausgehen, dass der dringend nötige Klimaschutz allein mit der nötigen CO2-Bepreisung realisiert werden kann. Doch bereits aus dem Ansatz der Studie wird deutlich, dass die Autoren den intensivierten Einsatz erneuerbarer Energien für absolut unverzichtbar halten. Es wird also weltweit die Aufgabe der Politik sein, nicht nur das jeweils vorhandene volkswirtschaftliche Potenzial hierfür zu nutzen, sondern ständig verbesserte und attraktivere Bedingungen zu schaffen, unter denen auch private Investoren aktiv werden und für ihr wirtschaftliches Engagement ausreichend am Ertrag der sauberen Energieerzeugung beteiligt werden.

Wie unter passenden Bedingungen effektive Schritte im Ausbau von Cleantech und der begleitenden Infrastruktur unternommen werden können, zeigen die von der ThomasLloyd Group initiierten Biogas-, Solar- und Windenergieprojekte in Kambodscha und auf den Philippinen, von denen im Laufe des Jahres 2015 die ersten ans Netz gehen. Wenn alle fertiggestellt sind, können unter Volllast über eine Million Menschen mit klimaneutralem Strom versorgt werden (www.thomas-lloyd.de).

Die Studie:

Nico Bauer, Ioanna Mouratiadou, Gunnar Luderer, Lavinia Baumstark, Robert J. Brecha, Ottmar Edenhofer, Elmar Kriegler (2013): Global fossil energy markets and climate change mitigation – an analysis with REMIND. In: Climatic Change, online first [doi:10.1007/s10584-013-0901-6]

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