Unburnable Carbon: Warum es immer weniger lohnt, in fossile Energien zu investieren

Industriegebiet

Die Rechnung ist einfach: Wenn es gelingen soll, den globalen Temperaturanstieg auf maximal zwei Grad gegenüber vorindustriellen Zeiten zu begrenzen, damit die Folgen des Klimawandels noch beherrschbar bleiben, dürfen bis 2050 noch maximal 565 Milliarden Tonnen (Gigatonnen) CO2 in die Atmosphäre abgegeben werden.

Hauptemissionsquelle ist die Verbrennung fossiler Energieträger wie Kohle oder Öl. Die Carbon Tracker Initiative hat nun berechnet, dass sämtliche bekannten Vorräte weltweit ein Potenzial von 2.869 Gigatonnen Kohlenstoffdioxid haben. Das Fazit der Studie „Unburnable Carbon 2013“: 80 Prozent der Kohle- und Ölvorräte müssen ungenutzt im Boden bleiben, wenn das Klima nicht irreversibel geschädigt werden soll.

Vergeudetes Kapital und gestrandete Anlagen

Zugleich sind aber viele Milliarden Euro oder US-Dollar in exakt solche Unternehmen investiert, deren Geschäft letztendlich auf das Verbrennen der fossilen Energieträger hinausläuft. Die Carbon Tracker Initiative spricht das daraus resultierende Problem im Untertitel der Studie deutlich an: Solche Investitionen seien im Grunde nichts anderes als „Wasted capital and stranded assets“ – vergeudetes Kapital und gestrandete, also ertragslose Anlagen.

Die Carbon Tracker Initiative und ihr Studienpartner – die Analyse wurde in Kooperation mit dem Grantham Research Institute for Climate Change and the Environment an der berühmten London School of Economics and Political Science erstellt – verstehen sich ausdrücklich nicht als Investmentberater, sondern als Klima- und Finanzexperten; die Carbon Tracker Initiative hat sich ausdrücklich zum Ziel gesetzt, die Kapitalmärkte mit dem politischen Anforderungen des Klimawandels in Einklang zu bringen (www.carbontracker.org). Und sie haben eigentlich nur eine sehr simple Rechnung aufgemacht, die aber zugleich für ein kommendes Problem sensibilisieren soll: Werden die in „unburnable carbon“ – also nicht mehr nutzbaren fossilen Energieträgern – angelegten Gelder nicht abgezogen und werthaltig investiert, könnte diese sechs Billionen Dollar große Kohlenstoff-Blase platzen.

Was „stranded assets“ konkret bedeuten, hat die Smith School of Enterprise and the Environment an der Oxford University im Rahmen des eigens eingerichteten Stranded Asset Programme an der Beziehung zwischen China und Australien untersucht. Ihre Studie „Stranded Down Under?“ trägt zwar noch ein Fragezeichen im Titel, das aber wohl eher pro forma gesetzt wurde. Auch hier zeigt der Untertitel die Ergebnisse an: „Environment-related factors changing China’s demand for coal and what this means for Australian coal assets“ („Umweltbedingte Faktoren verändern Chinas Bedarf an Kohle und was das für Anlagen in australischer Kohle bedeutet“).

Ökologie vs. klimaschädliche Ökonomie

Verschärfte Umweltauflagen, ein effektiverer Einsatz der Brennstoffe und der Umstieg auf alternative Energiequellen werden den chinesischen Kohleimport aus Australien stark reduzieren. Gleichzeitig hängen aber eine Reihe australischer Unternehmen sehr eng an diesem Markt. Die Studie kommt daher zu dem klaren Ergebnis, dass Investitionen in solche Unternehmen mit einem weit höheren Risiko behaftet sind, als bislang erkannt und kommuniziert wird.

„Stranded Assets“ sind nicht nur das künftige Forschungsthema der Smith School. Die Arbeit der Carbon Tracker Initiative wird inzwischen auch von Finanzinstituten wie HSBC oder Citigroup und der Rating-Agentur Standard & Poor’s zur Kenntnis genommen. Die International Energy Agency IEA führt eine gesonderte Studie zu diesem Themenkomplex und der bestehenden Kohlenstoff-Blase durch.

Die am Beispiel Chinas und Australiens angedeutete Entwicklung ist nur ein Anfang: Zahlreiche Länder haben Programme zum Umstieg auf erneuerbare Energien aufgesetzt und unternehmen – besonders in Süd- und Südostasien – sehr konkrete Schritte, um sich von der Abhängigkeit zumeist importierter fossiler Brennstoffe zu lösen. Die Grundlagen für das Geschäftsmodell der Kohle- und Öl-Industrie beginnen also zu schwinden.

Zugleich könnte ein Umsteuern im Kapitalmarkt nicht nur die bedrohliche Kohlestoff-Blase verkleinern – die vielen Milliarden perspektivlos in fossile Brennstoffe investierten Euros oder Dollar werden dringend benötigt, um den Umstieg auf regenerative Energiequellen zu finanzieren. Im Bereich Cleantech entsteht ein Anlagemarkt, der echte Zukunftsperspektiven und gut planbare Renditen bietet. Jeder Dollar, der entsprechend umgelenkt wird, ist zugleich aktiver Klimaschutz und eine Investition, die künftige Schäden reduzieren hilft. In diesem Zusammenhang ist die ThomasLloyd Group mit ihrem Engagement in den Philippinen zu nennen. Thomas Lloyd bietet auch deutschen Anlegern die Möglichkeit, dort in Cleantech-Projekte zu investieren – und damit in Arbeitsplätze, die Stromversorgung von Hunderttausenden – und in eine saubere Zukunft.

Die Studien im Internet:

www.carbontracker.org/wastedcapital

www.smithschool.ox.ac.uk

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