US-Versicherungen: Einsatz für mehr Nachhaltigkeit

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Unerwartete und umso überraschendere Unterstützung erhält der Klimaschutz in den USA – vonseiten der Versicherungen. Schon seit einigen Jahren war ihr Interesse an möglichen Zusammenhängen zwischen der globalen Temperaturzunahme und der Anzahl und des Umfangs zu deckender Schadensfälle geweckt. 2007 schlossen sich Versicherungen aus Amerika, Europa und dem südlichen Afrika zu ClimateWise zusammen, um gemeinsam das Bewusstsein für ebendiese Zusammenhänge zu schärfen (www.climatewise.org.uk).



Nun wird eine der ältesten Versicherungsunternehmen Amerikas – The Hartford – aktiv und fordert striktere Vorkehrungen etwa im Küstenschutz und im Wald-Management (www.thehartford.com). Doch entscheidend ist: The Hartford handelt selbst, etwa indem zu mehr Arbeit im Home-Office angeregt wird, um die Zahl der nötigen Autofahrten zur Zentrale samt Emissionen zu reduzieren. Jede Niederlassung bekam Ladestationen für E-Mobile, und die Versicherung räumt Besitzern von Elektro- oder Hybrid-Fahrzeugen Kundenrabatte ein. Das Unternehmen wurde daher 2012 in die Top-Gruppe der umweltbewussten Firmen der USA gewählt (newsroom.thehartford.com).

Boni für mehr Nachhaltigkeit

Das Beispiel hat inzwischen Schule gemacht. Auch die Reinsurance Association of America – die vereinigten Rückversicherer – klärt inzwischen intensiv über die Folgen des Klimawandels auf und drängt auf Vorbeugemaßnahmen. Die konkret belohnt werden, etwa indem Hausbesitzer die Dächer ihrer Häuser mit speziellen Materialien aus recyceltem Metall decken, das Wärme reflektiert und damit die Energie-Effizienz der Häuser erhöht; außerdem ist es feuerbeständig. Andere Versicherer gehen einen grünen Weg, indem sie nach Schadensfällen die Instandsetzung von Häusern mit umweltfreundlichen Materialien fördern (www.triplepundit.com).

Auch Autoversicherer werden aktiv. Neben The Hartford geben weitere Unternehmen Rabatte für Elektro- oder Hybridfahrzeuge, allerdings nicht nur aus Umweltgründen: Solche Autos werden weniger gefahren, sind also geringeren Unfallrisiken ausgesetzt und werden bisher auch seltener gestohlen. Eine aus US-Sicht reine Win-Win-Situation für Umwelt und Wirtschaftlichkeit – so wie für Versicherungsnehmer und Versicherungsgeber – ist das „Pay as you drive“-Konzept. Je weniger ein Auto bewegt wird (und desto niedriger daher das Risiko eines Versicherungsfalls ist), desto günstiger die Prämie. Kontrollieren lässt sich das allerdings nur mit Telematik-Systemen, die in Europa hinsichtlich der Datenweitergabe skeptisch gesehen werden.

Ungenutzte Einflussmöglichkeiten

Mag es auch systemlogische Gründe geben, dass Versicherungen klimafreundliches Verhalten belohnen – die Tatsache, dass es getan wird, zeigt, dass neben wirtschaftlichen auch politische und gesellschaftliche Gründe eine Rolle spielen können. Auch in bislang wenig beachteten Bereichen kann die Idee des Klimaschutzes gefördert werden. Würde man etwa die Menge des emittierten Treibhausgases berücksichtigen, müssten – um bei Versicherungen zu bleiben – Betreiber von Kohle- oder Ölkraftwerken deutlich höhere Prämien zahlen, die dann Anlagen zur regenerativen Stromerzeugung zugutekommen könnten. Auch das Beispiel, die Verwendung umweltfreundlicher Materialien im Hausbau zu belohnen, wäre leicht zu übernehmen. Man muss es nur wollen …

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